Industrie 4.0: Chance oder Risiko für Beschäftigte?

Industrie 4.0Das Digitalisierungszeitalter ist in vollem Gange, der Einsatz moderner Medien hat bereits verschiedenste Branchen erreicht. Auch die Zukunft der Industrie wird immer digitaler. Neue Technologien, die vermehrte Anwendung von intelligenten Maschinen und die Vernetzung zwischen Beschäftigten und Technik stehen im Vordergrund der Veränderung; „Industrie 4.0“ lautet das Stichwort. Doch was verbirgt sich dahinter? Inwiefern betreffen die Änderungen die Arbeitnehmer, wie wirken sie sich auf das Arbeitsrecht aus – und stellen sie vielleicht sogar eine Bedrohung für bislang sichere Arbeitsplätze und Karriere-Pläne dar? Oder können sie im Gegenteil eine große Chance für Verbesserungen sein?

Industrie 4.0 als vierte industrielle Revolution?

Die Industriebranche durchlebte bereits drei größere Wandel, die als industrielle Revolutionen bezeichnet werden können. Die erste industrielle Revolution führte zum ersten Einsatz von mechanischen Hilfsmitteln, zum Beispiel für Webtätigkeiten und die Agrarwirtschaft. Im Zuge der zweiten, industriellen Revolution wurde der Chemie- und Elektroindustrie eine optimierte Rolle als Leitsektoren neben der Eisen-, Textil- und Stahlproduktion zugesprochen; weiterhin traten Maschinen und Fertigungstechniken für eine rasche Fließbandarbeit in Erscheinung. Die dritte, industrielle Revolution brachte Computer und erste Roboter in die Betriebe, vermehrt wurde auf eine automatisierte Produktion gesetzt. Diese soll im Rahmen der vierten, industriellen Revolution, wie die „Industrie 4.0“ gern bezeichnet wird, weiter ausgebaut werden.

Eine dezentrale, digitale Steuerungsmöglichkeit erlaubt die gezielte Vernetzung zwischen Beschäftigtem, Maschine und fertigem Produkt, die über das Internet erfolgt. In Echtzeit können Produkte über diese dezentrale Steuerung gefertigt werden. Die Produktionszeiten werden verkürzt, der Prozess flexibler. Doch was genau steckt dahinter? Hier scheiden sich die Geister. Zahlreiche Publikationen informieren unterschiedlich über die geplanten Veränderungen für die Industrie 4.0. Optimismus und Pessimismus sind gleichermaßen zu finden, wenn es um die Folgen für das Arbeitsrecht und die Beschäftigten geht. Doch alle Publikationen kommen zu demselben Schluss: Ein starker Wandel steht bevor; ob er sich nun schlussendlich positiv oder negativ auf die Arbeitsbedingungen auswirkt, bleibt abzuwarten.

Neue Arbeitsplätze oder Ersatz von Menschen durch Maschinen?

Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes steigt mit der zunehmenden Digitalisierung. Intelligente Roboter übernehmen schon heute viele Aufgaben der Beschäftigten, teilweise sogar effizienter. Doch durch den Einsatz moderner, dezentraler Steuerungsmöglichkeiten für Maschinen werden auch neue Arbeitsplätze geschaffen, erklärt das Karriere-Portal JobFibel.com. Besonders im Bereich von Maschinenbau und der Autoindustrie sind zahlreiche Beschäftigte gefragt, was Positives für die Jobsuche in diesem Bereich verheißt. Allerdings steigen gleichzeitig die Ansprüche: Selbst einfachste Hilfstätigkeiten könnten zur Herausforderung werden, wenn sie durch ein digitales Programm gesteuert werden müssen. Das hierfür benötigte IT-Fachwissen fehlt vor allem den Geringqualifizierten. Es könnte durch den Einsatz von Datenbrillen, Tablets und ähnlichen Medien ausgeglichen werden, die beim Erlernen neuer Tätigkeiten helfen. Trotzdem wird klar, dass im Zuge der Digitalisierung mehr Qualifikationen gefordert werden. Neben der IT-Kompetenz sind es die Fähigkeit des eigenverantwortlichen Arbeitens sowie das Verständnis für die neu vernetzten Prozesse. Diese Fähigkeiten könnten in allen Bereichen der Industrie essentiell werden und somit auch bisher einfachste Tätigkeiten wie die Überwachung betreffen. Einerseits werden diese Hilfstätigkeiten und die Industrie insgesamt dadurch aufgewertet, andererseits stellt dies die Facharbeiter vor eine neue Herausforderung. Aus- und Weiterbildung müssen sich verändern und erweitern.

Ein anderes Szenario betrifft die gesteigerte Priorität anspruchsvoller Arbeiten: Eine handverlesene Gruppe von Experten wäre für die Systeme verantwortlich, während der überwiegende Teil der Beschäftigten für einfache, ausführende Arbeiten eingesetzt würde. Die Facharbeiter erhielten in diesem Fall keine Datenbrillen, Tablets und Co, um sich das fehlende, neu geforderte Fachwissen durch Weiterbildung anzueignen. Vielmehr würden sie in diesem Szenario dequalifiziert. Eine klare Zukunftsprognose für die Bedeutung von Qualifikationen ist aber derzeit noch nicht möglich.

Home Office und Flexibilität: Veränderung der Arbeitsbedingungen

Während in vielen Branchen das dezentrale Arbeiten im Home Office schon gang und gäbe ist, hält es in die Industrie erst im Rahmen der Industrie 4.0 Einzug. Durch die vernetzenden Medien ist der Arbeitsort ebenso wie die Arbeitszeit theoretisch flexibel. Die Steuerung der komplexen Prozesse in der Industrie ist dann auch von zu Hause aus möglich. Allerdings sollte die Herausforderung, Beruf und Privates weiterhin klar zu trennen, nicht unterschätzt werden. Zwar wird die Steigerung der Lebensqualität von Beschäftigten durch eine ausgeglichene Work-Life-Balance gefördert; schnell verwischen allerdings die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben. Regelmäßig eine einzige E-Mail pro Tag außerhalb der eigentlichen Arbeitszeit zu öffnen, kann bei einem Beschäftigten für vermehrten Stress sorgen. Andererseits führt Flexibilität bei der Arbeitszeit zu qualitativ hochwertigeren Ergebnissen; der Beschäftigte arbeitet zu einer frei wählbaren Tageszeit und kann seine produktivsten Stunden flexibel nutzen.

Fazit: Wandel nicht klar vorhersehbar

Viele Fragen bleiben offen, wenn es um die Industrie 4.0 geht. Wie der Wandel tatsächlich aussehen und was er für Beschäftigte bedeuten wird, kann nur die Zeit zeigen. Allerdings ist kein Arbeitnehmer der Digitalisierung hilflos ausgeliefert: Wandlungen sind gestaltbar und eine Anpassung an die aktuellen Lebensverhältnisse ist beispielsweise durch den Einsatz von Hilfsmitteln wie Tablets und Datenbrillen möglich.

 

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