Kredite für Arbeitslose: Seriöse Möglichkeiten im Überblick

Ein überraschender Verlust des Arbeitsplatzes bringt selbst eine solide Finanzplanung im Haushalt leicht durcheinander. Das Arbeitslosengeld I (ALG I) bedeutet bereits spürbar geringere Einkünfte. Und wer innerhalb eines Jahres keine neue Stelle findet, rutscht regelmäßig – mit wenigen Ausnahmen – in ALG II ab, was nichts anderes ist als Hartz IV. Dass in einer solchen Situation Ausgabendisziplin angesagt ist, dürfte selbstverständlich sein. Nur lassen sich manche regelmäßig anfallenden Kosten nicht so schnell herunterfahren, wie es bei wegbrechendem Einkommen nötig wäre. Eine Kreditfinanzierung ist dann unausweichlich.

Erster Ausweg Dispokredit

Der Dispositionskredit oder kurz Dispo auf dem Girokonto hilft, die drängendsten Probleme erst einmal aus dem Weg zu räumen. Der Geldautomat spuckt weiterhin Bargeld aus, auch wenn das Konto kein Guthaben mehr aufweist. Überweisungen können getätigt werden und Lastschriften platzen nicht. Der Dispokredit ist mit durchschnittlich knapp unter 10 % Jahreszinsen zwar teuer, aber die Inanspruchnahme rechnet sich trotzdem, wenn dadurch gebührenpflichtige Rücklastschriften und Mahnkosten vermieden werden.
Bei Versicherungsverträgen ist zu unterscheiden zwischen Lebens- und Rentenversicherungen mit Sparvorgängen, die man für die Zeit der Arbeitslosigkeit auch ruhen lassen kann, und solchen, die man unbedingt aufrechterhalten sollte oder sogar muss, weil es sich um Pflichtversicherungen handelt. Das wichtigste Beispiel ist die Kraftfahrt-Haftpflichtversicherung. Wird sie nicht bezahlt, informiert die Versicherung das Straßenverkehrsamt, und das Fahrzeug ohne Versicherungsschutz wird stillgelegt.
Allerdings ist der Dispo aus mehreren Gründen keine Dauerlösung, warnt der Ratgeber von www.kreditnetz.com. Erstens ist der Kreditrahmen irgendwann ausgeschöpft, kann also keinesfalls ein länger andauerndes Missverhältnis von Einnahmen und Ausgaben auffangen. Viele Banken dulden zwar die zeitweise Überschreitung des Dispolimits, aber dann wird es noch teurer durch Überziehungsprovisionen, Zinsen und Gebühren. Zweitens steht ein wegen laufender Kosten bereits ausgeschöpfter Dispo nicht mehr für überraschende Notfälle zur Verfügung. Und drittens müssen Sie damit rechnen, dass die Bank den Dispo wegen der Arbeitslosigkeit kürzen oder kündigen wird, wozu sie jederzeit berechtigt ist. Denn seine Höhe bemisst sich normalerweise nach dem regelmäßigen Geldeingang auf dem Konto. Fließt statt des Nettoeinkommens nur noch Arbeitslosengeld, wird die Bank das bemerken und entsprechend handeln, um ihr Ausfallrisiko zu begrenzen.

Kreditkarte nur kontrolliert belasten

Die für bzw. gegen den Dispo angeführten Argumente gelten im Prinzip auch für die Nutzung einer echten Kreditkarte, die im Gegensatz zur Prepaid-Karte nicht vor der Nutzung mit Guthaben aufgeladen werden muss. Sie bietet zwar einen zinslosen Verfügungsrahmen bis zum nächsten Abrechnungsstichtag, aber eben nur bis dahin – also für maximal einen Monat. Belasten Sie die Karte deshalb nur so, dass Sie die Kartenschulden bei Fälligkeit ausgleichen können. Sonst zahlen Sie Zinsen oder Gebühren ähnlich wie beim Dispo. Besonders kritisch wird es, wenn der Kartenemittent von einem bereits überzogenen Girokonto abbuchen will, denn dann summieren sich Karten- und Disposchulden.

Ratenkredit finden trotz Arbeitslosigkeit

Spätestens an diesem Punkt ist es wichtig, sich um einen Ratenkredit zu kümmern. Die Darlehenssumme sollte so bemessen sein, dass die Kartenschulden abgedeckt sind und das Girokonto ausgeglichen ist. Darüber hinaus sind bereits bekannte Ausgaben einzurechnen, die während der Arbeitslosigkeit nicht aus laufendem Einkommen bezahlt werden können. Ein schneller Kredit-Check auf den bekannten Vermittlungsplattformen wird vermutlich zu der ernüchternden Erkenntnis führen, dass sich die dort präsentierten günstigen Angebote ausschließlich an Arbeitnehmer mit sicherem, regelmäßigem Einkommen richten. Nur für dieses Geschäft sind die Banken bereit, Vermittlungsprovision an die Plattformen zu zahlen.
Bei Arbeitslosigkeit werden Sie in der Regel selbst einen Kreditvermittler beauftragen und bezahlen müssen. Seriös ist dieses Geschäft nur, wenn Ihnen weder Vorkosten noch Geschäftsgebühren ohne Vermittlungserfolg berechnet werden. Schweizer Kredite für Arbeitslose sind Humbug, ebenso wie Kreditkarten, die Ihnen angeblich tausende Euro Verfügungsrahmen gewähren. Rufen Sie keine 0900-Telefonnummern an, zahlen Sie nicht für Downloads, Vertreterbesuche oder nicht bestellte Schuldnerberatung.
Eine Alternative zum Bankkredit können Privatdarlehen sein. Sogenannte Peer to Peer (P2P) Darlehen werden ebenfalls über das Internet vermittelt. Sie sind nicht billiger als ein Bankkredit, weil die Investoren hohe Renditeerwartungen für das übernommene Risiko haben. Zusätzlich fallen Vermittlungsgebühren für die Privatkredit-Plattform an. Die Vergabe erfolgt aber nach weniger strengen Regeln und kann deswegen auch bei Arbeitslosigkeit funktionieren, denn ein festes monatliches Gehalt wird nicht zwangsläufig vorausgesetzt. Doch auch hier wird ein Kredit nur vergeben, wenn der Antragsteller nachweisen kann, dass er die monatlichen Raten sicher bedienen kann.

Kredit von der Arbeitsagentur

Wer ALG II bezieht, hat unter gewissen Voraussetzungen die Möglichkeit, ein zinsloses Darlehen von der zuständigen Arbeitsagentur zu erhalten. Liegt ein sogenannter unabweisbarer Bedarf zur Sicherung des Lebensunterhalts vor, kann diese auf Grundlage von § 23 Abs. 1 SGB II ein Darlehen beispielsweise zum Ersetzen eines defekten Kühlschranks oder zum Abwenden einer Stromsperre gewähren.

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